Sie ist 62 Zentimeter lang, schwarz-rot-gold und macht, wenn man richtig mit ihr umgehen kann, einen gewaltigen Krach: Die Vuvuzela. Zum Start der Fußball-WM in Südafrika ist die eben dorther stammende Trend-Tröte in aller Munde – oder gerade nicht: Gelsenkirchen gehört zu den deutschen Städten, die den Einsatz des Instruments aufgrund seiner für benachbarte Ohren nicht ungefährlichen Lautstärke bei Public Viewing-Veranstaltungen verboten haben.
Die WAZ hat die südafrikanische Vuvuzela mit einem „Fachmann“ einmal näher unter die Lupe genommen: Michael Dieing ist Posaunist bei der Neuen Philharmonie Westfalen – und verfügt über eine ansehnliche Sammlung archaisch anmutender Blasinstrumente: „Ich mache gelegentlich Schulprojekte, da sind solche alten Teile perfekt als Anschauungsmaterial“, erzählt der Musiker.
Ihren Ursprung teilt die Vuvuzela mit zahlreichen anderen ursprünglichen Blasinstrumenten: „Sie dienten ursprünglich nicht der Musik, sondern der Kommunikation über weite Entfernungen. Auf jedem Kontinent lassen sich solche einfachen Hörner und Trompeten, die komplett ohne Grifflöcher oder Ventile auskommen, belegen.“ Michael Dieing besitzt u.a. ein Schneckenhorn aus der Südsee, eine handgeschnitzte Birkentrompete aus Lappland, ein Auerochsenhorn (Dieing: „da kommt man relativ leicht dran, diese Tiere werden ja wieder gezüchtet, und alles wird verwertet – vom Steak bis zum Horn“) oder eine fein verzierte tibetanische Tempeltrompete aus Messing und Kupfer: „Die werden heute noch in verschiedenen Stimmungen eingesetzt.“
Mit all diesen Verwandten hat die moderne, im Stadion eingesetzte Vuvuzela eins gemeinsam: Man kann darauf in der Regel nur einen Ton blasen. „Das Spiel darauf selbst unterscheidet sich nicht von dem auf Orchester-Blechblasinstrumenten“, erklärt Dieing. „Es ist ein Mundstück vorhanden, das fast identisch mit dem einer Posaune ist, das Plastik erleichtert die Tonerzeugung. Bei Instrumenten aus Naturmaterialien ist der Klang immer auch Zufall.“
Eine Anleitung zum korrekten Blasen auf der Vuvuzela liefert der Profi gleich mit. „Erstens: Man braucht viel Luft, also tief atmen. Zweitens: Lippen zusammenpressen und zur Spitze formen. Drittens: Die Luft mit hohem Druck durch die gespitzten Lippen pressen.“
Mit etwas Übung (und der erlernten Technik) schafft es Michael Dieing sogar, der Vuvuzela zwei, drei verschiedene Töne zu entlocken. „Das funktioniert über eine Veränderung der Lippenspannung.“ Auf jeden Fall hat ihn das Plastikinstrument gepackt: „Vielleicht hole ich mir mal ein paar davon und bastel rum, bohre ein paar Löcher rein, um verschiedene Töne erzeugen zu können.“ Dieing lacht: „Das wäre ja auch mal was für die Pausen bei den Konzerten der Philharmonie.“





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